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Deutsche UNESCO-Kommission: Kitas müssen zukunftsfähiger werden

15.06.11

Bildanfang20110615_Elementarpädagogen© www.bne-portal.de/Franziska LutzBildende

Die Kinder von heute werden zukünftig großen Herausforderungen gegenüber stehen. Das betrifft vor allem die Auswirkungen von Klimawandel und Globalisierung. "Aber erst in letzter Zeit ist ein Bewusstsein dafür entstanden, grundlegende Werthaltungen sich selbst und der natürlichen und sozialen Umwelt gegenüber gezielt schon in der frühkindlichen Entwicklung zu fördern", sagte Prof. Dr. Christoph Wulf, Vize-Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission anlässlich der Fachtagung "Zukunftsfähigkeit im Kindergarten vermitteln" Ende Mai in Berlin.

Vorbereitet von der AG "Elementarbereich" des Runden Tisches der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ konnte das Symposium auf Einladung der "Nachhaltigkeitsstrategie Hessen" in der Hessischen Landesvertretung der Hauptstadt stattfinden. Rund 70 Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen berieten, wie "Bildung für nachhaltige Entwicklung" flächendeckend im Elementarbereich ermöglicht werden kann. Ziel muss es zum Beispiel sein, das Konzept in den Bildungsplänen der Länder zu verankern. In ihrem Diskussionsbeitrag "Zukunftsfähigkeit im Kindergarten vermitteln: Kinder stärken, nachhaltige Entwicklung fördern" (PDF, 1.8 MB) formulierte die Deutsche UNESCO-Kommission bereits 2010 Vorschläge an Politik und Träger von Kindertageseinrichtungen für eine zukunftsfähige Bildung im Elementarbereich. Die Publikation beruht auf der Studie von Prof. Dr. Ute Stoltenberg "Bildungspläne im Elementarbereich" (2008), die aufzeigt, dass das Konzept in den Bildungsplänen der Länder für den Elementarbereich kaum vorkommt.

Wertebildung statt Leistungsdrill

Sowohl die Quantität als auch die Qualität der frühkindlichen Bildungsangebote seien in den kommenden Jahren deutlich zu steigern, so Lutz Stroppe, Abteilungsleiter Kinder und Jugend im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in seinem Einstiegsvortrag. Dass es dabei nicht darum gehen kann, zusätzliche "Fächer" in  Kindertagesstätten einzuführen und Erzieherinnen, die oft schon am Rande ihrer Ressourcen arbeiten, mit mehr Arbeit zu belasten - dies wurde im Rahmen der Podiumsdiskussion schnell deutlich: "Bildung für nachhaltige Entwicklung ist kein zusätzliches Thema wie Sprachförderung oder Integration benachteiligter Kinder. Es ist vielmehr ein ethisches Gesamtkonzept, dass der  Arbeit einen Rahmen gibt", sagte Barbara Benoist, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für integrative Studien der Leuphana Universität Lüneburg sowie Sprecherin der AG Elementarbereich der UN-Dekade. Und Mitdiskutant Norbert Hocke, Vorstand Jugendhilfe und Sozialarbeit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, , bekräftigte: "Persönlichkeits- und Wertebildung, Nachhaltigkeit und Inklusion – dafür bräuchten die 16 Länder eigentlich einen gemeinsamen Plan, der der einzelnen Einrichtung jedoch großen Freiraum lässt!"

Gemeinsames Lernen und Entwickeln
Es geht ja nicht nur um das übergeordnete Wertesystem, sondern auch um die ganz konkrete Ausgestaltung vor Ort. Nicht von oben vermitteln, sondern gemeinsam an der Basis entwickeln - so sehe die konsequente Umsetzung aus, unterstrich Dr. Christa Preissing, Direktorin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung: "Also kein Catering für Kita-Küchen, auch kein biologisches. Sondern Kita-Küchen, in denen Fachkräfte gemeinsam mit den Kindern ihre Mahlzeiten zubereiten." Partizipation von Kita-Mitarbeiterinnen, Kindern und Eltern – das ist ein Motiv, das auch in den Workshops und Diskussionen am Rande dieses Symposiums immer wieder auftauchte. An einem Nachmittag ließen sich die vielen Voraussetzungen, Stolpersteine und Chancen für eine frühkindliche Bildung für nachhaltige Entwicklung jedoch nur anreißen. Mögliche Themen einer Folgeveranstaltung skizzierte Prof. Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade, bereits in seinem Ausblick. Einen Punkt machte er abschließend deutlich: "Bei der Suche nach künftigen Wegen der frühkindlichen Bildung geht es nicht um eine Bedarfsdeckung, sondern um eine Bedarfsweckung."

Weitere Informationen zu der Arbeitsgruppe "Elementarpädagogik"

Fotos zu der Tagung

Download des Programms der Tagung (PDF, 46 KB)

Download der Rede von Prof. Christoph Wulf (PDF, 53 KB)


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